Viele MES-Projekte starten mit Technologie und vergessen die Bedürfnisse der Menschen
Bis zu 70% aller großen IT-Einführungsprojekte in der Produktion verfehlen ihre ursprünglichen Ziele. (Quelle: https://t3n.de/news/krisenresistente-it-projekte-tun- 1336494/)
Die Entscheidung ist gefallen, das Budget freigegeben, der Anbieter ausgewählt. Dann folgen Monate intensiver Implementierungsarbeit – und irgendwann die ernüchternde Erkenntnis: Die Software läuft, aber niemand nutzt sie wirklich. Daten sind lückenhaft, Mitarbeitende weichen auf Zettel und Excel aus, und der erhoffte Transparenzgewinn bleibt aus.
Das ist kein Einzelschicksal. Es ist ein strukturelles Muster, das sich in Unternehmen jeder Größe wiederholt – und das hat fast immer denselben Ursprung: Der Mensch wurde vergessen.
Warum MES-Projekte scheitern: Die Top 5 Gründe
Wenn ein MES-Projekt ins Stocken gerät oder ganz scheitert, lassen sich die Ursachen in der Praxis auf fünf wiederkehrende Muster zurückführen. Keines davon ist ein technisches Problem.
1. Fehlende Akzeptanz im Shopfloor
Das System wird als Fremdkörper wahrgenommen, der von oben verordnet wurde. Ohne Identifikation entsteht keine Nutzung – und ohne Nutzung keine Daten.
2. Keine Einbindung der Mitarbeiter
Wer von Anfang an nicht gefragt wird, fühlt sich nicht verantwortlich. Fehlende Partizipation erzeugt Widerstand – oft still, aber konsequent.
3. Fehlendes Datenverständnis
Kennzahlen, die niemand versteht oder interpretieren kann, motivieren nicht. Wenn Mitarbeitende nicht wissen, warum sie Daten erfassen, tun sie es nachlässig.
4. Zu komplexe Systeme
Ein MES, das 200 Funktionen bietet, aber 15 Klicks für eine einfache Rückmeldung braucht, wird gemieden. Komplexität ist der Feind jeder Adaption.
5. Fehlende Kommunikation
Wenn Ziele, Nutzen und Veränderungen nicht klar und kontinuierlich kommuniziert werden, füllt sich das Vakuum mit Gerüchten und Ablehnung. Transparenz ist keine Kür – sie ist Pflicht.
Der blinde Fleck: Der Mensch
Unternehmen investieren viel in Serverlandschaft, Schnittstellenprogrammierung und Systemkonfiguration. Was dabei oft zu kurz kommt: die Menschen, die mit dem System täglich arbeiten und deren Herausforderungen.
Technik funktioniert – Nutzung nicht
Das MES ist installiert, getestet und freigegeben. Aber in der Produktion wird es konsequent umgangen. Wenn Mitarbeitende nicht verstehen, welchen Mehrwert das System ihnen persönlich bringt, suchen sie den bekannten Weg – auch wenn er ineffizienter ist.
Wissen bleibt im Kopf
Erfahrene Mitarbeitende tragen jahrelanges Prozesswissen in sich. Wenn das MES dieses Wissen nicht abbilden kann oder der Transfer nicht aktiv gestaltet wird, gehen wertvolle Informationen verloren – besonders bei Fluktuation oder Ruhestand.
Angst vor Kontrolle und Veränderung
Ein MES macht Leistung sichtbar – und das löst Unbehagen aus. Die Sorge, überwacht zu werden, ist ein mächtiger Widerstandsmotor. Hinzu kommt natürliche Veränderungsangst: Was ich nicht kenne, lehne ich ab. Wer diesen psychologischen Faktor ignoriert, scheitert an ihm.
Praxisbeispiel: Wenn Akzeptanz über Erfolg entscheidet
Ein mittelständischer Maschinenbauer in Bayern führte ein MES-System ein – mit sorgfältig geplantem technischem Roll-out. Sechs Monate nach Go-live war die Datenqualität enttäuschend: Rückmeldungen wurden sporadisch erfasst, Maschinenstillstände nicht konsequent dokumentiert.
Die Ursache: Die Schichtführer waren nie in die Konzeptionsphase einbezogen worden. Sie wussten nicht, warum bestimmte Daten erhoben wurden, und sahen keinen direkten Nutzen für ihre tägliche Arbeit.
Die Lösung kam durch einen Neustart mit den Menschen im Mittelpunkt: Drei erfahrene Schichtführer wurden zu internen MES-Champions ernannt, nahmen an Anwender-Workshops teil und gestalteten die Eingabemasken mit. Binnen vier Monaten stieg die Erfassungsquote von unter 60 % auf über 92 %.
Die iSi GmbH aus der Food-Branche stand vor einem klassischen Problem: Erfahrene Mitarbeitende schieden altersbedingt aus – und mit ihnen wertvolles Prozesswissen über die eigenentwickelte MDE-Lösung. Das Wissen steckte in den Köpfen, nicht im System.
Gemeinsam mit gbo datacomp digitalisierte iSi die gesamte Produktion im Bereich Culinary mit gboMES. Das Ergebnis: Transparenz über alle Produktionsprozesse hinweg – und die Fähigkeit, den Verlust erfahrener Mitarbeitender durch ein belastbares, dokumentiertes System zu kompensieren.
„Ich habe bei der gbo datacomp meine festen Ansprechpartner, die ich jederzeit erreichen kann." – Peter Travnicek, Entwicklungsingenieur, iSi GmbH
Lösung: So gelingt die MES-Einführung wirklich
Eine erfolgreiche MES-Einführung ist kein IT-Projekt – es ist ein Veränderungsprojekt. Der technische Part ist lösbar. Der menschliche Teil braucht Planung, Know-how, Empathie und Konsequenz.
1. Key User & Champions benennen
Identifizieren Sie erfahrene und angesehene Mitarbeitende aus der Produktion, die das System früh kennenlernen, mitgestalten und später als interne Ansprechpartner und Befürworter fungieren. Champions schaffen Vertrauen – weit mehr als jede externe Schulung.
2. Praxisnahe Schulungen statt PowerPoint
Schulungen müssen an echten Prozessen und realen Maschinen stattfinden. Abstrakte Einführungen verpuffen. Rollenspezifische Trainings, die den Alltag der Mitarbeitenden spiegeln, sorgen für nachhaltiges Verständnis und Vertrauen in das System.
3. Pilotphase mit echten Teams
Starten Sie in einem begrenzten Bereich – einer Linie, einer Schicht – mit einem Team, das motiviert ist. Fehler in der Pilotphase sind Lernchancen, keine Katastrophen. Was dort funktioniert, überzeugt später auch skeptische Bereiche.
4. Transparente Daten für alle
Zeigen Sie den Mitarbeitenden, welche Daten erhoben werden – und was damit passiert. Visualisierungen am Shopfloor, tägliche Kennzahlen-Boards und offene Kommunikation nehmen Ängste und schaffen eine Datenkultur von innen heraus.
Die Rolle eines MES: Unterstützer, kein Ersatz
Ein MES ist kein autonomes System, das Probleme löst. Es ist ein präzises Werkzeug, das die Arbeit von Menschen sichtbarer, messbarer und steuerbarer macht. Diese Unterscheidung ist entscheidend – für die Kommunikation im Unternehmen und für die innere Haltung gegenüber dem System.
MES unterstützt Prozesse
Es liefert Echtzeit-Daten, deckt Engpässe auf, macht OEE sichtbar und ermöglicht fundierte Entscheidungen. Aber: Es entscheidet nicht. Das tun Menschen.
MES ersetzt nicht den Menschen
Erfahrung, Urteilsvermögen und das Wissen um betriebliche Zusammenhänge bleiben beim Menschen. MES strukturiert dieses Wissen und hält es im Unternehmen.
Wer ein MES als Kontroll- oder Überwachungsinstrument kommuniziert, wird Widerstand ernten. Wer es als Werkzeug für bessere Arbeit und mehr Handlungssicherheit positioniert, gewinnt Verbündete.
Fazit: MES scheitert selten an der Technik
Nach Jahren der Begleitung von MES-Projekten in der Fertigungsindustrie ist eine Erkenntnis unumstößlich: Software ist das kleinste Problem. Der Unterschied zwischen einem gescheiterten und einem erfolgreichen MES-Projekt liegt fast immer in der Fähigkeit des Unternehmens, Menschen mitzunehmen. Deshalb ist professionelle Beratung, wie bei gbo datacomp extrem wichtig.
Mensch + Prozesse + System = Erfolg
Technologie schafft Möglichkeiten. Menschen schaffen Ergebnisse.
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