Fachkräftemangel bleibt strukturelles Problem der Industrie
Zwar zeigt das aktuelle KfW-ifo-Fachkräftebarometer, dass sich der Fachkräftedruck konjunkturbedingt temporär abgeschwächt hat, doch von Entwarnung kann keine Rede sein. Im zweiten Quartal 2025 gaben rund 35 % der befragten Unternehmen an, in ihrer Geschäftstätigkeit durch fehlendes Fachpersonal eingeschränkt zu sein. Auch wenn das verarbeitende Gewerbe mit etwa 25 % unter dem Durchschnitt liegt, ist der Wert weiterhin deutlich höher als im langfristigen Mittel.
Besonders betroffen sind Produktion, technische Berufe sowie fertigungsnahe Funktionen. Studien – etwa der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – zeigen, dass nahezu jedes dritte Industrieunternehmen offene Stellen in der Produktion nicht besetzen kann. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leiden zusätzlich unter begrenzten Ressourcen, steigendem Kostendruck und wachsender Komplexität in der Fertigung.
Die Ursachen sind bekannt: demografischer Wandel, Qualifikations-Mismatch, zunehmende Technologisierung und ein international umkämpfter Arbeitsmarkt. Klar ist: Der Fachkräftemangel ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern eine langfristige strukturelle Herausforderung.
MES als Schlüssel zur produktiven Entlastung
Unternehmen reagieren zunehmend mit Automatisierung und Produktionsdigitalisierung. Im Zentrum steht dabei das MES als Datendrehscheibe der Smart Factory. Ein modernes MES erfasst Maschinen- und Betriebsdaten (MDE/BDE) in Echtzeit, konsolidiert sie zu einer einheitlichen Datenbasis und stellt sie rollenbasiert zur Verfügung – vom Shopfloor bis zur Managementebene.
Durch diese horizontale und vertikale Datenintegration werden manuelle Tätigkeiten reduziert, Informationsbrüche beseitigt und Entscheidungsprozesse beschleunigt. Mitarbeitende werden von zeitintensiven Routineaufgaben entlastet und können sich auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren. Qualifiziertes Fachpersonal wird gezielt dort eingesetzt, wo Erfahrung und Know-how wirklich gebraucht werden.
Typische MES-Funktionen wie digitale Fertigungsleitstände, OEE-Analysen, Auftrags- und Ressourcentransparenz oder automatische Rückmeldungen schaffen eine belastbare Grundlage für eine effiziente Produktionsplanung – auch mit weniger Personal.
Wissen sichern und Abhängigkeiten reduzieren
Ein zentraler Vorteil von MES-Lösungen liegt im systematischen Wissenstransfer. Produktionswissen, Erfahrungswerte und Prozesslogiken werden im System abgebildet und standardisiert. Das reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Schlüsselpersonen und stellt sicher, dass Know-how im Unternehmen bleibt – selbst wenn erfahrene Mitarbeitende ausscheiden.
Gerade in Zeiten zunehmender Variantenvielfalt und kleiner Losgrößen wird die Produktionsplanung komplexer. Ein MES unterstützt hier durch intelligente Vorgaben, automatisierte Abläufe und transparente Prozessführung. Der Mitarbeitende muss nicht mehr jede Maschine im Detail kennen – das System stellt die relevanten Informationen kontextbezogen bereit.
Echtzeit-Transparenz, Qualität und Predictive Maintenance
Die Echtzeit-Prozessüberwachung ist ein weiterer entscheidender Faktor. Abweichungen, Störungen oder Materialengpässe werden sofort erkannt, sodass gezielt eingegriffen werden kann. Das reduziert Stillstände, Ausschuss und ungeplante Umplanungen – und entlastet insbesondere erfahrene Fachkräfte, die häufig mehrere Rollen gleichzeitig ausfüllen müssen.
Ein integriertes Qualitätsmanagement senkt die Fehlerquote, erhöht die Prozesssicherheit und reduziert den Stress für Mitarbeitende. Ergänzend ermöglichen historische Datenanalysen und Predictive Maintenance, Wartungsmaßnahmen vorausschauend zu planen. Maschinen werden gewartet, bevor es zu Ausfällen kommt – die Anlagenverfügbarkeit steigt, der Bedarf an reaktiven Reparatureinsätzen sinkt.
Modulares MES als nachhaltige Strategie gegen Fachkräftemangel
Auch wenn konjunkturelle Schwankungen den Arbeitsmarkt kurzfristig beeinflussen, bleibt der Fachkräftemangel eine dauerhafte Realität. Unternehmen können es sich nicht leisten, auf langfristige politische oder gesellschaftliche Effekte zu warten. Digitale Lösungen wie MES sind heute ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Besonders gefragt sind modulare MES-Systeme, die sich flexibel an veränderte Anforderungen anpassen lassen – ohne komplette Neueinführungen. So können Unternehmen schrittweise digitalisieren, Investitionen gezielt steuern und ihre Industrie-4.0-Strategie im eigenen Tempo umsetzen.
Fazit
Die Digitalisierung der Produktion mit MES ist weit mehr als ein IT-Projekt. Sie ist eine strategische Antwort auf den Fachkräftemangel, steigende Komplexität und wachsenden Wettbewerbsdruck. Unternehmen, die heute in Echtzeitdaten, transparente Prozesse und intelligentes Produktionsmanagement investieren, sichern sich nicht nur Effizienzgewinne – sondern auch Zukunftsfähigkeit.
MES kompensiert fehlende Fachkräfte, stärkt bestehende Teams und schafft die Grundlage für eine resiliente, datengetriebene Produktion.





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